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Peer-Review-Dienste im Bereich der nuklearen Sicherheit und Sicherheitsüberwachung

Peer-Review-Dienste im Bereich der nuklearen Sicherheit und Sicherheitsüberwachung

Im Nuklearsektor werden regelmäßig Peer Reviews durchgeführt, um die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen der Staaten und/oder die Leistung der Betreiber im Hinblick auf die nukleare Sicherheit zu bewerten.

Diese Überprüfungen werden im Allgemeinen in regelmäßigen Abständen durchgeführt und führen jeweils zur Veröffentlichung eines Berichts, der die erzielten Ergebnisse bewertet, Schwachstellen aufzeigt und Empfehlungen formuliert.

Die Föderalagentur für Nuklearkontrolle (FANK) ist der Ansicht, dass dieser Meinungsaustausch einen erheblichen Mehrwert bringt: Er ermöglicht die ständige Überprüfung ihres Expertenwissen im Bereich des Schutzes vor den Gefahren ionisierender Strahlung. Sie ist daher stark an der Organisation von Peer Reviews in Belgien beteiligt und nimmt an Peer Reviews in anderen Ländern teil.

IRRS – Integrated Regulatory Review Service (Integrierter behördlicher Überprüfungsdienst)

Der IRRS ist eine Dienstleistung der Internationalen Atomenergie-Organisation (AIEO), der auf Antrag eines Mitgliedstaats erfolgt. Während dieser Überprüfung analysiert ein internationales Expertenteam die geltenden rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Es wird bewertet, inwieweit die geltenden rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die nationalen Strukturen und Regulierungsbehörden den internationalen Standards und Richtlinien entsprechen, die in den Safety Standards der IAEO definiert sind.

Eine IRRS-Mission bietet auch die Möglichkeit, sich über die im Ausland ermittelten bewährten Verfahren, Methoden und Lösungen (best practices) zu informieren. Eine solche Mission führt zu einer Reihe von Empfehlungen und Vorschlägen, die es den Mitgliedstaaten und der Regulierungsbehörde ermöglichen, ihre Aufgabe im Bereich der nuklearen Sicherheit effizienter wahrzunehmen. Die bewährten Verfahren, Methoden und Lösungen, die im geprüften Land ermittelt werden, können wiederum als Beispiele für andere Regulierungsbehörden dienen.

Die FANK und ihre technische Tochterorganisation Bel V erhielten vom 1. bis 13. Dezember 2013 den Besuch eines internationalen Expertenteams im Rahmen einer von der IAEO organisierten IRRS-Prüfungsmission. Zwei Wochen lang waren der Regulierungsrahmen, die Organisation und die Funktionsweise der belgischen Nuklearregulierungsbehörde Gegenstand eines Peer Review. Eine Folgemission wurde vom 27. November bis 5. Dezember 2017 organisiert.

IPPAS – International Physical Protection Advisory Service (Internationaler Beratungsdienst für physischen Schutz)

Eine IPPAS-Mission zielt darauf ab zu analysieren, inwieweit die Vorschriften und Praktiken des Gastlandes in Bezug auf die nukleare Sicherheit internationalen Standards entsprechen. Ziel dieser von der IAEO angebotenen Dienstleistung ist es, ihre Mitgliedstaaten bei der Stärkung ihres Systems für physischen Schutz zu unterstützen, d. h. bei allen Maßnahmen zum Schutz radioaktiver Stoffe sowie kerntechnischer Anlagen und Transporte gegen Sabotage, Diebstahl oder anderweitigen Missbrauch.

Diese Begutachtung schließt mit der Ausarbeitung eines Berichts ab, in dem alle im geprüften Land umgesetzten bewährten Verfahren aufgeführt werden und eine Reihe von Empfehlungen und Verbesserungsvorschlägen sowohl auf regulatorischer Ebene (Rechtsvorschriften, Interaktionen zwischen den Behörden usw.) als auch auf operativer Ebene (Umsetzung von Vorschriften) formuliert wird.

Internationale Missionen in Kernkraftwerken

OSART – Operational Safety Review Team (Team für Betriebssicherheitsprüfung)

Eine OSART-Mission ist eine von internationalen Expertenteams durchgeführte Prüfung der Sicherheit und Zuverlässigkeit des Betriebs eines Kernkraftwerks. Es handelt sich um eine Dienstleistung der IAEO mit dem Ziel, die Mitgliedstaaten zu beraten und zu unterstützen, um die Sicherheit von Kernkraftwerken während des Baus, der Inbetriebnahme und des Betriebs zu verbessern. 

Die Prüfberichte sind öffentlich und bestehen einerseits aus Empfehlungen und Vorschlägen zur Verbesserung der Sicherheit an den Betreiber, und andererseits aus der Ermittlung bewährter Verfahren, um diese mit anderen Betreibern kerntechnischer Anlagen auszutauschen.

Die erste Mission in unserem Land fand vom 5. bis 23. Mai 2007 im Kernkraftwerk Tihange 1 statt, mit einer Folgemission im Januar 2009. Die zweite Mission fand vom 8. bis 25. März 2010 an den Reaktoren 1 und 2 des Kernkraftwerks Doel statt, mit einer Folgemission im März 2012. 

Weitere Informationen zu den OSART-Missionen in Tihange und Doel finden Sie unter folgenden Links:

SALTO – Safety Aspects of Long Term Operation (Sicherheitsaspekte des Langzeitbetriebs)

Ziel einer SALTO-Mission ist die Unterstützung und Beratung des Mitgliedslandes der IAEO, das diese Mission beantragt hat, mit Bezug auf die mit der Laufzeitverlängerung eines Kernreaktors verbundenen Sicherheitsaspekte. Diese Mission gliedert sich in der Regel in zwei Phasen: Eine erste Vorbereitungsmission mit der Bezeichnung „Pre-SALTO“ wird zunächst in Kernkraftwerken durchgeführt, die einen Langzeitbetrieb (LTO, long term operation) in Erwägung ziehen, und eine zweite Mission mit der Bezeichnung „SALTO“ wird anschließend in denjenigen Einrichtungen durchgeführt, deren Laufzeit tatsächlich verlängert werden soll.

Im Rahmen des Langzeitbetriebs (Long Term Operation - LTO) von Tihange 1, Doel 1 und Doel 2 bis 2025 beantragte die FANK bei der IAEO die Organisation einer SALTO-Mission für diese Reaktoren. Eine Pre-SALTO-Mission fand 2012 in Tihange 1 statt. Die SALTO-Mission in Tihange 1 fand vom 13. bis 22. Januar 2015 statt, die Folgemission im Dezember 2016. Für die Reaktoren von Doel 1 und Doel 2 fand die SALTO-Mission vom 14. bis 23. Februar 2017 statt. Die Folgemission wurde im September 2019 durchgeführt.

Weitere Informationen zu den SALTO-Missionen in Tihange 1, Doel 1 und Doel 2 finden Sie unter folgenden Links:

 

 

last update: 
02/04/2020